Anekdoten aus der Gemeinde Kade

Die Entstehung des Rittergutes Belicke

Auf Belicke waren vormals ein Schäfer Voigt und ein Amtmann Lehmann, der das Vorwerk bewirtschaftete. Er war sehr arm und hatte sich die hübsche Tochter des Schäfers zur Frau genommen. An der Neujahrsnacht hatte der Amtmann Lehmann einen gar sonderbaren Traum. Ein Engel kam zu ihm und sagte: „Mache dich auf und gehe nach der Magdeburger Elbbrücke; dort wirst du dein Glück finden!“ Er machte sich am folgenden Tage auf; denn was man in einer Neujahrsnacht träumt, geht auch in Erfüllung. Als er nach langer Wanderung in Magdeburg ankam, ging er auf der Brücke auf und ab , ob er wirklich sein Glück finden würde. Schon lange hatte ihn dort ein Mann beobachtet. Dieser fragte den Lehmann: „Warum läufst du hier immer auf und ab?“ Da erzählte ihm der Amtmann seinen Traum. „Ach“, sagte da der Mann, „Träume sind Schäume! Ich habe auch geträumt, ich solle nach Belicke bei Kade gehen, und kenne es gar nicht!“ – „ Was sollst du denn in Belicke?“ fragte der Lehmann. „Ich habe geträumt: Im Mörtel soll ein Wachholderbusch stehen, und darunter läge viel Gold vergraben. Aber ich glaube nicht daran.“ Da ging der Amtmann Lehmann still nach Hause holte Hacke und Spaten. Richtig fand er im Mörtel den Wachholderbusch, fing an zu graben und stieß auf einen großen Stein. Als er aber diesen mit viel Mühe fortgeschafft hatte, fand er viel Gold. Nun war der Lehmann mit einem Male ein sehr reicher Mann, kaufte Belicke seinem Gutsherrn ab und vergrößerte es selbst zu einem großen Gute.

Es war an einem Winterabend vor über hundert Jahren. Kalt wehte der Wind über die kahlen Schneefelder um Kade. Im Dorfkrug aber saß bei einem heißen Grog der Gutsherr mit seinem Schäfer Lehmann. Selten fiel zwischen beiden ein Wort. Plötzlich verlangte der Gutsherr ein Spiel Karten. Er verlor das Spiel. Der Gutsherr setzte ein fettes Schaf.
Verloren! Wieder eins! Verloren!
Der Schäfer wollte das Spiel abbrechen, doch der Gutsherr bestand darauf weiterzuspielen.
Als der Morgen dämmerte, hatte der Gutsbesitzer sein ganzes Vorwerk verspielt! Der Schäfer wollte auf den Gewinn verzichten, der Besitzer aber wollte von seinen Spielschulden nichts zurück erstattet haben. Im Laufe der vielen Jahre ist aus dieser blühenden Schäferei, durch den Fleiß ihrer neuen Besitzer das große Gut Belicke hervorgegangen.

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